Gewerbe- & Handwerkerverein Gengenbach e.V., D-77723 Gengenbach

Die Handwerkerzünfte
Das Handwerk hatte sich mit der Zeit in der organisch gewachsenen Stadt die erste Stelle in der Bürgerschaft erworben und vereinigte sich in der Mitte des 14. Jahrhunderts zu Zünften. Der Rat der Stadt gab den Zünften eine Ordnung, und jahrhundertelang haben die Zünfte die ihnen gestellten Aufgaben aufs beste gelöst, vor allem die Ausgestaltung des Handwerkerrechts, das Wander-Unterstützungswesen sowie die Nachwuchsfrage.
Unter Abt Lambert von Brunn bildeten sich in Gengenbach vier Zünfte: die Küfer-, Bäcker-, Schuhmacher- und Schneiderzunft. Diese Zünfte waren jedoch nicht so gegliedert, daß etwa die Bäckerzunft nur Bäcker in ihren Reihen hatte, es wurden auch andere, möglichst verwandte Berufe in einer Zunft vereinigt, nur daß die eine vorherrschende Handwerkerart der Zunft den Namen gab.

Gewerbe- und Handwerkerverein Gengenbach - Der Handwerkerbrunnen - Das Küferzunftzeichen

Unter den Zünften in Gengenbach war die Küferzunft die größte, zu ihr gehörten alle Holz, Eisen und Stein verarbeitenden Handwerker. Im Jahre 1449 wurde für das Handwerk eine Zollrolle angelegt, die über den Warenverkauf Auskunft gab, und darin finden wir auch die vielen Berufe aufgeführt, die zu einer Zunft gehören. Es sind bei der Küferzunft ausser den Küfern selbst: die Kübler, Wagner, Schreiner, Glaser, Dreher, Sieb- macher, Zimmerleute, Gold-, Waffen-, Huf-, Grob- und Nagelschmiede, Kannengiesser, Blechner, Schlosser, Maurer, Steinhauer, Ziegler, Hafner.

Gewerbe- und Handwerkerverein Gengenbach - Der Handwerkerbrunnen - Das Bäckerzunftzeichen

Bei der Bäckerzunft außer den Bäckern: die Müller, Metzger, Wirte, Seifensieder, Kerzenzieher, Unschlittmacher, Faßbandmacher.
 Gewerbe- und Handwerkerverein Gengenbach - Der Handwerkerbrunnen - Das Zeichen der Schuhmacherzunft Bei der Schuhmacherzunft: die Schuhmacher selbst, die Rot- und Weißgerber, Sattler, Buchbinder, Seiler, Säckler und Maler.
 
Gewerbe- und Handwerkerverein Gengenbach - Der Handwerkerbrunnen - Das Zeichen der Schneiderzunft
Bei der Schneiderzunft: die Schneider, die Tuch- und Leineweber, Färber, Strumpfstricker, Hutmacher, Barbiere und Krämer. 

 

Die Zünfte wählten aus ihren eigenen Reihen die Zunftmeister und hatten ihr eigenes Zunftlokal, in dem sie vierteljährlich ihre Zunftversammlungen abhielten. Schon im Jahre 1400 finden wir den ,,Adler" als Zunftstube erwähnt. Als dann die Zünfte immer mehr an Bedeutung gewannen, wurde aus dem Rat der Stadt ein Obherr bestimmt, der in der Ratssitzung die Wünsche der Zünfte vertrat.

Gewerbe- und Handwerkerverein Gengenbach - Hinterglasbild - Der Schuhmacher Alle vier Zünfte hielten ihren Jahresfeiertag am Montag nach Johanni ab. Nach dem Kirchgang zogen die Zunftmitglieder mit ihren Fahnen durch die Stadt, begleitet von den Spielleuten, und versammelten sich zu einem gemeinsamen Mahl, bei welchem die Meister, Gesellen und Lehrlinge auf die Zunftartikel schworen. Dann wurden ,,vor offener Lade" eintretende Lehrlinge eingeschrieben und werdende Gesellen lediggesprochen.
Im dreißigjährigen Krieg gingen in unserer Stadt die Zünfte unter. Die Rechtlosigkeit, die Verwüstung und Unordnung waren bei uns ja besonders spürbar gewesen.  

 Fortsetzung

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